Wifo-Pressegespräch 2026
Das Wifo-Pressegespräch wurde online in der Schwäbischen Zeitung am 19.02.2026 von Stefanie Rebhan veröffentlicht.
Einen Auszug aus dem Pressegespräch lesen Sie hier:
Busse sollen raus aus der Altstadt
Weniger Bürokratie, weniger Tempo 30, weniger Busse durch die Innenstadt – würde das Wifo hier erhört, wäre es (noch) glücklicher. Weshalb 2026 zum „Jahr des Brückenbaus“ wird.
Das Wirtschaftsforum pro Ravensburg (Wifo), die Vereinigung von Ravensburger Wirtschaftsunternehmern, prophezeit: 2026 wird zum „Jahr des Brückenbaus“. Die Rad- und Fußwegbrücke über die Wangener Straße wird fertig, die Meersburger Brücke wird so wie die Alfons-Maurer-Brücke in der Weststadt saniert.
Besonders die Instandsetzung der Meersburger Brücke werde zu verkehrstechnischen Problemen führen, doch sei das unverzichtbar, um die „lebensnotwendigen Verkehrsadern“ zu schützen.
Wifo: Busrouten sollten aus der Altstadt raus
Genau das ist der perfekte Zeitpunkt, so Wifo-Vorstandsprecher Patrick Kuchelmeister, um das derzeit geltende Tempo 30 in der Georg- und der Jahnstraße aufzuheben. Kuchelmeister: „An manchen Stellen werden die Straßen zu einem Nadelöhr, aber der Verkehr muss fließen können.“ Rechtlich ist das allerdings schwierig umzusetzen. Die Geschwindigkeitsbeschränkungen sind vom Gemeinderat nach den Vorgaben des Lärmaktionsplans beschlossen worden, den die EU ein Stück vorschreibt. Er gilt an Straßen, an denen Menschen von besonders viel Verkehrslärm betroffen sind.
Ganz anders eingestellt ist das Wifo, wenn es um die Busse geht, die durch die Innenstadt fahren. Sie mindern die Aufenthaltsqualität, indem sie direkt an den Cafés und Läden vorbeifahren, so Vorstandssprecher Thomas Reischmann. Die Busrouten sollten konsequent aus der Altstadt herausgehalten werden und stattdessen eng um den Stadtkern herumführen.
Immerhin sei der Einzelhandel Ravensburgs Alleinstellungsmerkmal. Selbst die Anzahl der Leerstände – von denen es zwar deutlich mehr gebe als noch vor zehn Jahren – sei im Vergleich zu anderen Städten aber unterdurchschnittlich. Dem Handel geholfen habe, dass die erste Stunde Parken in der Marienplatz-Tiefgarage noch genauso kostenlos ist wie der Samstagsbus in der Stadt. Mit den günstigen Parkplätzen am Scheffelplatz ist es laut Reischmann außerdem einfacher, Einzelhandels-Fachkräfte nach Ravensburg zu locken.
Wichtig für die Einzelhändler sei auch der im Jahr 2001 eingeführte Ravensburger Geschenkgutschein. Nach dem Digitalisierungsprozess im vergangenen Jahr hat er die Marke von einer Million Euro überschritten, wie Wifo-Geschäftsführer Clemens Stadler sagt. Positiv auch: „Immer mehr Arbeitgeber nutzen den Gutschein als steuerfreien Sachbezug für ihre Mitarbeiter.“ So bleibe das Geld in Ravensburg selbst.
Viele Baustellen sind schon wieder aufgehoben
Und das sei wichtig, denn nach wie vor stehe der Handel in erster Linie aufgrund des nach wie vor wachsenden Online-Geschäfts unter Druck. Durch die wirtschaftliche Gesamtsituation würden Kunden zudem auf Einkäufe verzichten, gerade wenn es um hochwertigere und daher auch teurere Marken gehe.
Mit den Baustellen, die schon den ein oder anderen Händler zur Verzweiflung getrieben haben, sei die Stadt hingegen gut vorangekommen. Der Ausbau der Fernwärme in der Altstadt sei weit gediehen. Die Arbeiten am Holzmarkt sollen bis zum Spätsommer oder Herbst fertig werden, so das Wifo. Ein Wermutstropfen sei die kommende Sanierung der Decke der Marienplatz-Tiefgarage.
Richtig gut läuft es bei den Unternehmen in Industrie und Handwerk. Der Branchenmix hat dazu geführt, dass Ravensburg 2025 eine hohe Gewerbesteuer-Einnahme von 71 Millionen Euro verbuchen konnte, so Sprecher Florian Burk. Ravensburg spiele in der Champions League der deutschen Wirtschaft mit. Es gebe allein sechs Unternehmen, die einen Jahresgewinn von mindestens 50 Millionen Euro erwirtschaften.
Bürokratische Hürden zu hoch
Probleme gibt es trotzdem, allen voran sei da die Bürokratie zu nennen. „Das behindert uns in der Wertschöpfung und ist ein Kostenfaktor“, so Burk. Unter anderem seien die Bearbeitungswege in der Stadt sehr lang und zäh. Viele Konzepte könnten beispielsweise im Bereich Veranstaltungen nicht umgesetzt werden, weil auch hier die bürokratischen Hürden zu hoch seien. Burk: „Wir brauchen mehr Ermöglichungskultur.“ Auch dafür sei das Wifo da, wolle es doch weiterhin Brücken (und hier schließt sich der Brückenbau-Kreis) zwischen seinen 320 Mitgliedsbetrieben und Stadt sowie Politik bauen.